Inn-Hochwasser am 12./13. Juni 2019

Schneeschmelze und Regenschauer zugleich ließen den Inn in den letzten Tagen bedrohlich ansteigen.

Durch den raschen Anstieg des Grundwasserspiegels in der Siedlung Mils-Au wurde in der Nacht zum 13. Juni die Feuerwehr alarmiert, um mit Hilfe verschiedener Tauchpumpen das Wasser aus den überfluteten Kellerschächten zu entfernen. Durch die rasche Hilfe der Feuerwehr Mils konnten so größere Schäden verhindert werden.

Durch das steigende Grundwasser wurde auch der Bereich rund um die „Hitte Hatte“ bei der Trofana Tyrol in Mitleidenschaft gezogen. Die beiden sich dort befindlichen Esel mussten von der Feuerwehr Mils ins Trockene gebracht und einstweilen in „Dagmars Pferdekoppel“ im Äuli untergebracht werden.

Einmal mehr haben sich die Revitalisierungsflächen in der Milser Au bewährt. Die Gefahr einer Überflutung im Siedlungsgebiet konnte durch diese Flächen erheblich eingedämmt werden. Die Hochwassersituation des Inns brachte aber auch positives in die Milser Erlenau: In den alten Giesen hat sich wieder Wasser angesammelt, was für den Erlenbestand und für die Vegetation in der Au besonders wichtig ist.

Fotos: Vom Einsatz der Feuerwehr in Mils-Au und Unterdorf,
sowie Bilder der überfluteten Revitalisierungflächen und Giesen in der Au.

Weitere Biber in Mils bei Imst gesichtet

Der Biber wurde vor ca. 200 Jahren bei uns ausgerottet. Jedoch kehrt dieser nun wieder in seine frühere Heimat zurück.
Wie schon im Juni berichtet, konnte der erste Biber im Mai 2016 bei der Revitalisierungsfläche in der Milser Au, in Ufernähe zum Inn, beobachtet werden. Vermutlich bedingt durch den niederen Wasserstand bei den Tümpeln der Revitalisierungsfläche wurde nun seit längerer Zeit dort keine “Biberaktivität” mehr beobachtet. Doch irgendwohin musste der Biber doch gewandert sein?
Es dauerte nicht lange, da entdeckte man im Oktober neue Biberspuren im Gießen in der Nähe der Autobahnraststätte Trofana Tyrol. Etliche Bäume wurden vom Biber angenagt und mussten von der Autobahnmeisterei gefällt werden, um den Autoverkehr nicht zu gefährden.
Ein Biber ernährt sich im Sommer vorwiegend von Wasserpflanzen. Jedoch im Herbst stellt er seine  Ernährung um: Statt Wasserpflanzen stehen dann vermehrt Hölzer auf seinem Speiseplan. Da der Biber keinen Winterschlaf hält, ernährt er sich vor allem von Rinde und Knospen der Bäume. Seine bevorzugte Nahrung sind Pappeln, Esche und verschiedene Weiden.
Bei einer Begehung mit der Biberbeauftragten des Landes Tirol, Mag. Monika Eder-Trenkwalder, dem Waldaufseher Mathias Schnegg und dem Gemeindearbeiter Gregor Praxmarer konnte mittels einer Nachtbildkamera festgestellt werden, dass sich nun drei Biber im Gießen einen neuen Lebensraum erobert haben.
Zum Teil zählen die Biber auch die Verrohrung des Gießenbaches zu ihren Lebensraum. Da der Durchfluss des Gießens aber gewährleistet sein muss, werden die Biberaktivitäten in diesem Bereich von Waldaufseher und Gemeindearbeiter regelmäßig kontrolliert.
Der Biber steht nach europäischem und Tiroler Naturschutzgesetz unter Schutz. Es ist verboten, Biber absichtlich zu stören, zu jagen, zu fangen, zu verletzen oder gar zu töten. Es ist der gesamte Lebensraum als Fortpflanzungs- und Ruhestätte samt Bau und Dämmen zu schützen. Wo Biber am Werk sind, entstehen neue und vielfältige Lebensräume für andere Tiere und Pflanzen.

Im Anschluss Fotos und eine Nachtbildaufnahme (Video) von unseren Bibern:

 

„Danube Challenge 2011“ in der Milser Au

Am 27. Juni 2011 fand in der Milser Au die „Danube Challenge 2011“ statt, ein Wettbewerb für Schulen, der von der AQA GmbH für das Lebensministerium, das Unterrichtsministerium und Coca-Cola Hellenic Österreich seit 2007 organisiert wird. Als Vertretung für das Lebensministerium war Frau DDr. Dorith Breindl aus Wien angereist. Für die Teilnahme an dieser „Danube Challenge 2011“ hatten sich nachfolgende Schulen – insgesamt 200 SchülerInnen – bereits in einem vorhergehenden Wettbewerb qualifiziert:

– Neue Mittelschule Weer, Klasse 3a, Tirol
– Hauptschule Schruns-Dorf, Vorarlberg
– Neue Mittelschule Dr. Fritz Prior, KLasse 2a und 2c,  Innsbruck
– Hauptschule Brixlegg, Klasse 3b, Tirol
– Musik-Mittelschule Thüringen, Klasse 2c, Vorarlberg
– Hauptschule Ehrwald, Klasse 2a und 2b, Tirol

Ziel der Danube Challenge ist es, Jugendlichen im Rahmen eines “Erlebnistages” die Bedeutung des Lebensraumes Wasser nachhaltig ins Bewusstsein zu bringen.
Bei diesem Wettbewerb in der Milser Au, der von Stefan Bruck (AQA)  organisiert und geleitet wurde, mussten alle Schülergruppen in einem Stationsbetrieb bestimmte Naturthemen aufarbeiten und entsprechende Aufgabenstellungen dazu bewältigen, wie z. B.:

mit Naturmaterialien Schutzgebiete gestalten und diese präsentieren
alles über die Fledermaus kennenlernen und einen Hindernisparcours bewältigen
mit Schlagwörtern über Green-Jobs, Fauna und Flora einen Rap schreiben und vor laufender Kamera vortragen
Fragen rund um den Inn und die Fauna und Flora der Milser Au beantworten
Besonderheiten einer Weichholzau kennenlernen und Milser Grauerlen pflanzen
die Pflanzenvielfalt in all ihren Formen kennenlernen, Zweige und Samen den richtigen Bäumen und Sträuchern zuordnen.

Das Gewinnerteam, die Hauptschule Schruns aus Vorarlberg, erhielt eine Schatztruhe mit „Goodies“ für die ganze Klasse.

Nachfolgend Bilder von der “Danube Challenge 2011” in der Milser Au:

Landschaftsschutzgebiet “Milser Au”

Pressetext, verfasst und zur Verfügung gestellt von DI Andreas Pohl

Hauptmaßnahmen der Renaturierungsarbeiten mit ökologischem Hochwasserschutz sind abgeschlossen – neue Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen wurden geschaffen.
Landschaftsschutzgebiet Milser Au

Bild: Die „Milser Au“ im Oberinntal, ein Restbestand der früher ausgedehnten flussbegleitenden Weichholzauen am Inn

Während der letzten vier Niederwasserperioden wurden in der Milser Au im Zuge der Umsetzung der Hauptmaßnahmen des Projektes „Ökologischer Hochwasserschutz Inn/Milser Au“ drei Retentionsflächen geschaffen, die nicht nur für den Schutz des Siedlungsraumes und der umliegenden Infrastruktureinrichtungen vor Hochwässern von Bedeutung sind, sondern auch langfristig das Auwaldgebiet durch Erhaltung der Auwalddynamik zumindest auf Teilflächen ökologisch aufwerten.

Das Projekt war auch Anlass dafür, dass heuer in Tirol die Danube Challenge 2011 statt fand, ein Wettbewerb für SchülerInnen den das Lebensministerium über seine Jugendwasserplattform Generation Blue gemeinsam mit Coca-Cola Hellenic seit einigen Jahren organisiert. Immerhin ist der Inn ein Hauptzufluss der Donau und die Milser Au ein besonderes flussbegleitendes Ökosystem im Tiroler Oberland und somit wie die Donau-Auen ein interessantes Gebiet für die jungen Naturforscher.

DDr. Dorith Breindl vom Lebensministerium hat sich am 27.6.2011 gemeinsam mit dem Landtagspräsident DDr. Herwig van Staa und dem Imster Bezirkshauptmann Dr. Raimund Waldner bei einem Lokalaugenschein in der Milser Au vom Abschluss der ökologischen Hochwasserschutzmaßnahmen und von der Danube Challenge 2011 ein Bild gemacht und die Siegerehrung der erfolgreichen SchülerInnen durchgeführt.

Das „Revitalisierungsprojekt Milser Au“, das unter der Federführung der Bezirksforstinspektion Imst umgesetzt wird, verfolgt die Zielsetzung, das Ökosystem des Grauerlen-Auwaldes langfristig zu erhalten und den natürlichen Lebensraum zu revitalisieren, damit ein Fortschreiten des Überganges von der Weichholzau in eine ökologisch weniger wertvolle Hartholzau zumindest auf Teilflächen verhindert werden kann. Das Landschaftsschutzgebiet mit seiner Größe von 36,8 ha ist eines der noch wenigen größeren Auwaldreste am Inn. Durch die Verwirklichung der geplanten Maßnahmen wurden in Verbindung mit naturnahen Flussverbauungen Hochwasser-Rückhalteräume und wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen. Mit der Projektumsetzung in der Milser Au wurde während der Niederwasserperiode im Herbst 2007 begonnen. Vor kurzem konnte nun auch die letzte Retentionsfläche fertig gestellt werden. Diese wird von einem künstlich angelegten Seitengerinne durchflossen, was die Fläche ökologisch besonders aufwertet. Alle drei Teilflächen wurden unterschiedlich ausmodelliert, sodass es nun eine Vielzahl von unterschiedlichen z.T. auch vom Hochwasser beeinflusste Kleinlebensräume für die langfristige Erhaltung der autypischen Flora und Fauna gibt. Die drei naturnah ausgestalteten Retentionsflächen ermöglichen nun dem Inn eine Gesamtfläche von ca. 6 ha bei Hochwasserführung schadlos zu überfluten.
Landschaftsschutzgebiet Milser Au, östliche UmgestaltungsflächeBild: Das Bild zeigt die östliche Umgestaltungsfläche bei einer geringen Hochwasserführung im Mai 2011

„Retentionsflächen am Inn ermöglichen dem Fluss bei Hochwasser eine schadlose Überflutung von Flächen, es verringert sich die Fließgeschwindigkeit und führt zu einer Dämpfung der Hochwasserwelle. Die Schaffung von weiteren Überflutungsflächen wäre daher für den Schutz vor Hochwasserschäden im Inntal sinnvoll“, betonte DDr. Herwig van Staa.

„Dass vielen jungen Menschen die Natur und besonders die Erhaltung von einzigartigen Kleinlebensräumen, wie das Projekt Revitalisierung Milser Au vorzeigt, wichtig ist, beweist unter anderem das Interesse und die Motivation der SchülerInnen die bei der Danube Challenge 2011 teilnahmen“, davon ist DDr. Dorith Breindl vom Lebensministerium überzeugt.
Landschaftsschutzgebiet Milser Au, Gruppe der Projektbeteiligten
Bild: Vzbgm. Thomas Thurner, Projektkoordinator Andreas Pohl, Ernst Fleischhacker (Wasser Tirol), Obm. Hartmut Neurauter, Dorith Breindl (Lebensministerium), Herwig van Staa, Bgm. Markus Moser und BH Raimund Waldner (Foto: Bullock)

„Durch die Projektverwirklichung wurden in Verbindung mit naturnahen Flussverbauungsmaßnahmen einzigartige neue Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen. Das Projekt ist somit auch für die nachfolgenden Generationen von Bedeutung, weil Natureindrücke der Auwald-Dynamik erlebbar bleiben“, ist sich BH Dr. Raimund Waldner sicher.

„Wichtig sei auch, dass sich das Nachhaltigkeitsverständnis immer mehr durchsetzt“, meinte Ernst Fleischhacker, Geschäftsführer von Wasser Tirol.

Gemeinschaftsprojekt mit vielen Partnern

Möglich wurde die Umsetzung des Projekts durch die finanzielle Beteiligung der Europäischen Union, dem Lebensministerium, des Landes Tirol, der Tiroler Wasserkraft AG, der Gemeinde Mils, der Agrargemeinschaft Mils und dem World Wildlife Found. Die Gesamtkosten der Projektmaßnahmen für den Zeitraum von 2009 bis 2013 liegen bei ca. 500.000 Euro, ca. 200.000 Euro davon werden von der Europäischen Union finanziert. Den restlichen Anteil von 300.000 Euro steuern Bund, Land Tirol, Tiroler Wasserkraft AG, die Gemeinde Mils, die örtliche Agrargemeinschaft und der WWF bei.