Wie die Zeit vergeht

Jeder kennt die heutigen Gebäude der „Trofana Tyrol“ – nun „Alpenrast Tyrol“ – und der MEDALP im Milser Äuli. Doch wie sehr sich dieser Teil unseres Dorfgebietes im Laufe der Jahrzehnte verändert hat, wird erst beim Betrachten älterer Aufnahmen deutlich.

Ein Blick zurück (Titelbild) zeigt zunächst das Milser Äuli im Jahr 1955, lange vor den großen baulichen Veränderungen. Felder, Wiesen und die Erlenau prägten damals den Talboden zwischen Mils und Imst.

Maßgeblich für den Wandel im „Milser Äuli“ war der Bau der Autobahn. Erst dadurch wurde dieser Standort für größere Unternehmen interessant. Die erste große Veränderungen brachte im Jahr 2002 die Errichtung der Raststätte „Trofana Tyrol“ mit sich. Im Herbst 2010 begannen unweit davon die Bauarbeiten für den neuen Standort der Privatklinik MEDALP. Am 11. November 2011 wurde die neue MEDALP offiziell eröffnet.

An der Rückseite der beiden Gebäude führt ein viel befahrener Radweg vorbei. An manchen Tagen nutzen bis zu 500 Radfahrerinnen und Radfahrer diese Strecke.

Die Aufnahmen aus verschiedenen Jahren zeigen eindrucksvoll, wie sehr sich das Milser Äuli im Laufe der Zeit verändert hat: vom weitgehend unverbauten Talboden über den Bau der Autobahn bis zum heutigen Standort dieser Gebäude.

Das Marterl zur Erinnerung an Helene Waldvogel, geb. Huber

Ein stiller Ort des Gedenkens erinnert an Helene Waldvogel, geborene Huber, die mit 62 Jahren tödlich verunglückte.
Der 24. März 1993, ein Tag, der für viele unvergesslich bleibt. An diesem Tag kam Helene bei einer Wanderung von Gunglgrün nach Mils am Mils-Berg beim „Kalkofen-Ries“ durch einen Absturz ums Leben. Das kleine Marterl, das heute nahe der Bundesstraße beim „Kalkofen“ steht, zeugt von diesem schweren Schicksal.
Doch in Erinnerung bleibt weit mehr als nur dieser Tag. Zeitlebens war Helene der Musik verbunden. Über 40 Jahre sang sie im Kirchenchor, 25 Jahre wirkte sie als Organistin in der Pfarrkirche Mils und war auch darüber hinaus in anderen Chören aktiv.
Mit großem Engagement war sie viele Jahre im Pfarrgemeinderat tätig.In selbstlosem Einsatz organisierte sie Basare zur Restaurierung der Orgel und unterstützte die Restaurierung der Milser Pfarrkirche.
Helene Waldvogel hinterließ eine Lücke, nicht nur in der Pfarre, sondern im ganzen Dorf. Ihre Tatkraft und Hilfsbereitschaft bleibt vielen Milsern in Erinnerung.

Das „Marterl“ des Lorenz Thurner – 1849

„Marterln“ sind oft unscheinbar in der Landschaft verborgen, doch ihre Geschichten wiegen meist schwer.

Lorenz Thurner verunglückte im Jahr 1849 beim Holzen am Sonnberg, oberhalb des heutigen Kreisverkehrs zur Raststätte „Alpenrast“, tödlich.
Er war der Großvater von „Annes Josef“, an den sich viele Milser noch erinnern.

Das Marterl, das einst an dieser Stelle errichtet wurde, verschwand vor vielen Jahren spurlos. Doch dank eines alten Fotos von Leni Bullock konnte das ursprüngliche Bild mit Hilfe des Malers Holzknecht aus Imst nachgestaltet werden. Angebracht an einem Baum, erinnerte es wieder an das tragische Ereignis.
Doch erneut ging das Marterl verloren. Erst nach längerer Zeit wurde es von Andreas Praxmarer im Gießen liegend wieder entdeckt – stark mitgenommen durch die Einwirkung des Wassers, aber erhalten. Nach dem behutsamen Trocknen und Reinigen konnte das Marterl des Lorenz Thurner schließlich von Andreas und Gregor Praxmarer an seinem ursprünglichen Platz angebracht werden.

Postgeschichte aus Mils bei Imst

Wenn in den nächsten Jahren das geschichtsträchtige Postmeisterhaus in Mils bei Imst zum Gemeindehaus umgebaut wird, soll nicht unerwähnt bleiben, dass in diesem Gebäude von 1874 bis 1884 auch ein Postamt untergebracht war.
Dazu ein Bericht aus dem Protokollbuch des ehemaligen Postamtes Schönwies:

Postgeschichte

Die bereits seit der Zeit des römischen Kaisers Claudius Augustus bestehende Nord-Süd–Verbindung über den Fern- und Reschenpass wurde später naturgemäß auch für die Beförderung der Post benützt. Die fortschreitende Entwicklung des Postwesens führte dann am 1. August 1874 zur Errichtung eines „Postamtes mit Fahrpost“, das im Gasthof Post in Mils untergebracht war. Zu den anfänglichen Aufgaben dieses Amtes kam am 12. Jänner 1883 die Besorgung des Postsparkassendienstes hinzu. Am 12. März 1884 wurde das Postamt von Mils in den „alten Widum“ nach Schönwies verlegt. *)
Etwa um die Jahrhundertwende dürfte in Schönwies der Telegraphendienst eingeführt worden sein, der genaue Zeitpunkt ist nicht mehr bekannt. Desgleichen liegen auch keine Angaben über die Aufnahme des Telephondienstes in Schönwies vor. Es kann vermutet werden, dass dies – sowie im benachbarten Zams – etwa zu Beginn des ersten Weltkrieges (1914) erfolgte. Hingegen ist bekannt, daß das Amt am 1. Oktober 1924 mit der Besorgung des Rundfunkdienstes betraut wurde.
Nachdem die Räumlichkeiten im „alten Widum“ den Anforderungen im Laufe der Zeit nicht mehr entsprechen konnten, übersiedelte das Postamt in das von der Gemeinde Schönwies neuerbaute Mehrzweckgebäude, wo dann am 6. Oktober 1968 der Dienstbetrieb in den neuen Amtsräumen aufgenommen wurde.

*) Im „Milser Buch“ wird auch erwähnt, dass mit der Eröffnung der Arlbergbahn 1884 das Postamt von Mils nach Schönwies verlegt wurde und damit die Postkutsche ihr Ende fand.

Gerhard Ranninger aus Mils war der letzte Postamtsleiter in Schönwies, bevor das Postamt im Juni 2002 nach Imst verlegt wurde. Von ihm wurde die „Postgeschichte“ zur Verfügung gestellt.

Nachfolgend gesammelte Bilder zum Thema „Postgeschichte“:

Quellenangaben:
Post- und Telegraphen-Verordnungsblatt Nr. 16 von 1884
Postgeschichte: aus einem Protokollbuch des ehemaligen Postamtes Schönwies,
Milser Dorfbuch

46. Bezirkschronistentag in Mils bei Imst

Ein Bericht von Bezirkschronist Günter Flür.

Die Chronisten tagten am 16. September 2023 in Mils bei Imst.
Sie dokumentieren Aktuelles und begeben sich auf Spurensuche – Chronisten leisten für die Bildung einer positiven Erinnerungskultur wertvolle Arbeit.

Beim diesjährigen Bezirkschronistentag in Mils konnte der Bezirksverantwortliche Günter Flür im Gemeindesaal von Mils 26 Kolleginnen und Kollegen aus 18 Gemeinden begrüßen. Die Organisation oblag dem neuen Milser Chronistenteam mit Simone Grünauer, Bruno Gitterle und Thomas Thurner.
Landeschronist Oswald Wörle zeigte sich von Mils und dem Blick auf den Tschirgant beeindruckt und lobte die Arbeit der rührigen Chronisten. Nach einer Kurzvorstellung der Gemeinde Mils, wurde Leni Bullock für ihre jahrzehntelange, erfolgreiche Arbeit als Ortschronistin von Bürgermeister Bernhard Schöpf und Bezirkschronist Günter Flür geehrt. Sie initiierte auch das „Falkenprojekt“, das sie im Anschluss der Runde im Gemeindesaal vorstellte.

Sowohl von Bezirksseite als auch aus den Gemeinden gab es durch die Chronistinnen und Chronisten viel zu berichten wie Publikationnen, Schulungen, Weiterbildung, Projekte und Veranstaltungen standen auf dem Programm. Die tägliche „Knochenarbeit“ in den Archiven ist unsichtbar. So ist es Landeschronist Wörle ein großes Anliegen, dass die wertvolle, ehrenamtliche Tätigkeit der Chronistinnen und Chronisten vor den Vorghang gestellt wird.

Mit dem Kassabericht durch Sieghard Schöpf und dem einstimmigen Beschluss zur Durchführung des Chronistentages 2024 in der Gemeinde Jerzens, wurde der offizielle Teil beendet und die Gemeinde Mils lud alle auf ein Mittagessen in der „Trofana Tyrol“ ein.
Nach dem Mittagessen bot Leni Bullock eine informative Führung durch die Milser Pfarrkirche, die mit Orgelspiel und der herrlichen Stimme von Sarah Schöpf aus Schönwies mit dem Stück „Ave Maria“ v. Gounod ihren Abschluss fand.

Weiter informierte Bgm. Bernhard Schöpf die Chronistinnen und Chronisten über Wissenswertes vom Milser Widum und dem altem Postmeisterhaus sowie über Kirchen- und Gemeindegeschichten der kleinen aber feinen Gemeinde an der Grenze zum Nachbarbezirk Landeck.

Fotos: Thomas Thurner