Archiv für die Kategorie ‘Agrargemeinschaft’

Landschaftsschutzgebiet “Milser Au”

Dienstag, 28. Juni 2011

Pressetext, verfasst und zur Verfügung gestellt von DI Andreas Pohl

Hauptmaßnahmen der Renaturierungsarbeiten mit ökologischem Hochwasserschutz sind abgeschlossen – neue Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen wurden geschaffen.
Landschaftsschutzgebiet Milser Au

Bild: Die „Milser Au“ im Oberinntal, ein Restbestand der früher ausgedehnten flussbegleitenden Weichholzauen am Inn

Während der letzten vier Niederwasserperioden wurden in der Milser Au im Zuge der Umsetzung der Hauptmaßnahmen des Projektes „Ökologischer Hochwasserschutz Inn/Milser Au“ drei Retentionsflächen geschaffen, die nicht nur für den Schutz des Siedlungsraumes und der umliegenden Infrastruktureinrichtungen vor Hochwässern von Bedeutung sind, sondern auch langfristig das Auwaldgebiet durch Erhaltung der Auwalddynamik zumindest auf Teilflächen ökologisch aufwerten.

Das Projekt war auch Anlass dafür, dass heuer in Tirol die Danube Challenge 2011 statt fand, ein Wettbewerb für SchülerInnen den das Lebensministerium über seine Jugendwasserplattform Generation Blue gemeinsam mit Coca-Cola Hellenic seit einigen Jahren organisiert. Immerhin ist der Inn ein Hauptzufluss der Donau und die Milser Au ein besonderes flussbegleitendes Ökosystem im Tiroler Oberland und somit wie die Donau-Auen ein interessantes Gebiet für die jungen Naturforscher.

DDr. Dorith Breindl vom Lebensministerium hat sich am 27.6.2011 gemeinsam mit dem Landtagspräsident DDr. Herwig van Staa und dem Imster Bezirkshauptmann Dr. Raimund Waldner bei einem Lokalaugenschein in der Milser Au vom Abschluss der ökologischen Hochwasserschutzmaßnahmen und von der Danube Challenge 2011 ein Bild gemacht und die Siegerehrung der erfolgreichen SchülerInnen durchgeführt.

Das „Revitalisierungsprojekt Milser Au“, das unter der Federführung der Bezirksforstinspektion Imst umgesetzt wird, verfolgt die Zielsetzung, das Ökosystem des Grauerlen-Auwaldes langfristig zu erhalten und den natürlichen Lebensraum zu revitalisieren, damit ein Fortschreiten des Überganges von der Weichholzau in eine ökologisch weniger wertvolle Hartholzau zumindest auf Teilflächen verhindert werden kann. Das Landschaftsschutzgebiet mit seiner Größe von 36,8 ha ist eines der noch wenigen größeren Auwaldreste am Inn. Durch die Verwirklichung der geplanten Maßnahmen wurden in Verbindung mit naturnahen Flussverbauungen Hochwasser-Rückhalteräume und wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen. Mit der Projektumsetzung in der Milser Au wurde während der Niederwasserperiode im Herbst 2007 begonnen. Vor kurzem konnte nun auch die letzte Retentionsfläche fertig gestellt werden. Diese wird von einem künstlich angelegten Seitengerinne durchflossen, was die Fläche ökologisch besonders aufwertet. Alle drei Teilflächen wurden unterschiedlich ausmodelliert, sodass es nun eine Vielzahl von unterschiedlichen z.T. auch vom Hochwasser beeinflusste Kleinlebensräume für die langfristige Erhaltung der autypischen Flora und Fauna gibt. Die drei naturnah ausgestalteten Retentionsflächen ermöglichen nun dem Inn eine Gesamtfläche von ca. 6 ha bei Hochwasserführung schadlos zu überfluten.
Landschaftsschutzgebiet Milser Au, östliche UmgestaltungsflächeBild: Das Bild zeigt die östliche Umgestaltungsfläche bei einer geringen Hochwasserführung im Mai 2011

„Retentionsflächen am Inn ermöglichen dem Fluss bei Hochwasser eine schadlose Überflutung von Flächen, es verringert sich die Fließgeschwindigkeit und führt zu einer Dämpfung der Hochwasserwelle. Die Schaffung von weiteren Überflutungsflächen wäre daher für den Schutz vor Hochwasserschäden im Inntal sinnvoll“, betonte DDr. Herwig van Staa.

„Dass vielen jungen Menschen die Natur und besonders die Erhaltung von einzigartigen Kleinlebensräumen, wie das Projekt Revitalisierung Milser Au vorzeigt, wichtig ist, beweist unter anderem das Interesse und die Motivation der SchülerInnen die bei der Danube Challenge 2011 teilnahmen“, davon ist DDr. Dorith Breindl vom Lebensministerium überzeugt.
Landschaftsschutzgebiet Milser Au, Gruppe der Projektbeteiligten
Bild: Vzbgm. Thomas Thurner, Projektkoordinator Andreas Pohl, Ernst Fleischhacker (Wasser Tirol), Obm. Hartmut Neurauter, Dorith Breindl (Lebensministerium), Herwig van Staa, Bgm. Markus Moser und BH Raimund Waldner (Foto: Bullock)

„Durch die Projektverwirklichung wurden in Verbindung mit naturnahen Flussverbauungsmaßnahmen einzigartige neue Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen. Das Projekt ist somit auch für die nachfolgenden Generationen von Bedeutung, weil Natureindrücke der Auwald-Dynamik erlebbar bleiben“, ist sich BH Dr. Raimund Waldner sicher.

„Wichtig sei auch, dass sich das Nachhaltigkeitsverständnis immer mehr durchsetzt“, meinte Ernst Fleischhacker, Geschäftsführer von Wasser Tirol.

Gemeinschaftsprojekt mit vielen Partnern

Möglich wurde die Umsetzung des Projekts durch die finanzielle Beteiligung der Europäischen Union, dem Lebensministerium, des Landes Tirol, der Tiroler Wasserkraft AG, der Gemeinde Mils, der Agrargemeinschaft Mils und dem World Wildlife Found. Die Gesamtkosten der Projektmaßnahmen für den Zeitraum von 2009 bis 2013 liegen bei ca. 500.000 Euro, ca. 200.000 Euro davon werden von der Europäischen Union finanziert. Den restlichen Anteil von 300.000 Euro steuern Bund, Land Tirol, Tiroler Wasserkraft AG, die Gemeinde Mils, die örtliche Agrargemeinschaft und der WWF bei.

Pilotenschlagen – damals und heute

Mittwoch, 20. April 2011

Im Frühjahr 2011 wurde die dritte Phase der “Revitalisierung Milser Au” in Angriff genommen. Diese Arbeiten auf einer Fläche von 1,7 ha haben zusätzlich die Schaffung von besonderen Erholungseinrichtungen zum Ziel. Bei der Bearbeitung dieser Revitalisierungsfläche war es unter Anderem erforderlich, mittels „Piloten“ die Hanglage am Wasser zu sichern. Diese Piloten wurden mit Hilfe eines Raupenbaggers mit Schlaghammer in das Erdreich geschlagen. Mit diesen Maschinen können derartige Arbeiten heute von nur einem Mann bewältigt werden. Vor ca. 60 Jahren hatte man in Mils ebenfalls Piloten geschlagen, um das Ufer des Hochwasser führenden Larsennbaches zu sichern. Damals waren für das Einschlagen eines Piloten bis zu acht Leute notwendig (siehe Beitrag: „Aus der Geschichte von Mils b. Imst: Gewässer“).

Nachfolgende Bilder zeigen den Fortschritt der Arbeiten in der Milser Au
und einen Vergleich des Pilotenschlagens von damals und heute.

Eröffnunsfeier des neuen Agrargebäudes in Mils bei Imst

Dienstag, 12. Oktober 2010

Zum Erntedankfest am 10. Oktober 2010 fand in Mils bei Imst die feierliche Eröffnung des neu errichteten Agrargebäudes mit anschließendem Tag der offenen Tür statt.

Mit einem Erntedank-Festgottesdienst, zelebriert von Pfarrer Peter Papaiah und musikalisch gestaltet von der Musikkapelle Mils, nahm das Fest bei herrlichstem Herbstwetter seinen Anfang.
Zahlreiche Festbesucher nahmen die Gelegenheit wahr, das neu errichtete Gebäude mit all seinen Einrichtungen für die Gemeinschaft kennenzulernen. Zu diesen gehören u. A. eine Anlage zur maschinellen Holzaufbereitung und eine eigene Halle für die Unterbringung von Maschinen, wie zB Holzspalter, Ackergeräte und Mulchgerät. Weiters ist im neuen Agrargebäude ein Büro- und Verwaltungsraum untergebracht, der sowohl für Sitzungen und Versammlungen der Agrargemeinschaft, als auch der Jungbauernschaft/Landjugend Mils für ihre Aktivitäten dienen soll.

Agrarobmann Hartmut Neurauter hob in seiner Ansprache die gute Zusammenarbeit zwischen Agrargemeinschaft und Gemeinde hervor und wies daraufhin, dass das neue Gebäude mit angeschlossenem Holzlagerplatz nicht nur Agrarmitgliedern, sondern auch der Bevölkerung von Mils zu gleichen Bedingungen zur Verfügung steht.

Beispielgebend wurde das neue Gebäude der Agrargemeinschaft Mils von Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl und Bez. Bauernobmann ÖR Bgm. Rudolf Köll in ihren Ansprachen hingestellt.
Unter den Festgästen befanden sich u.A. auch Bgm. Willi Schatz aus Karres, DI Andreas Pohl und Ing. Albuin Neuner von der Bezirksforstinspektion Imst.

Anschließend segnete Pfarrer Peter das neue Gebäude in Begleitung von Bgm. Dr. Markus Moser, Agrarobmann Hartmut Neurauter, Obmann-Stellvertr. Hannes Huber, Altbürgermeister Ing. Gebhard Moser und Karl Hammerle.

Zur Unterhaltung der zahlreichen Festbesucher spielten die Musikkapelle Mils und die “D’Rauchen Inntaler”. Die Schuhplattlergruppen aus Imsterberg rundeten den stimmungsvollen Nachmittag ab. Ein Spielangebot mit “Hupfburg” und “Bullen-Rodeo” war der Renner für die vielen Kinder an diesem Tag.

Ein weiterer Höhepunkt dieses Festes war die Brennholz-Verlosung zugungsten bedürftiger Kinder in der indischen Heimat unseres Pfarrers.

Mit besonderen Köstlichkeiten und Getränken wurden die Besucher von der
Jungbauernschaft/Landjugend Mils, die die Feierlichkeit gemeinsam mit der Agrargemeinschaft organisiert hatten, bestens versorgt.

Nachfolgend Fotos von der Eröffnungsfeier:

Milser Au – Pressekonferenz mit LHStv. Anton Steixner

Dienstag, 10. August 2010

Mils im Bild berichtete bereits mehrmals über den Fortschritt der Revitalisierungsmaßnahmen in der Milser Au, siehe:

“Start zum Projekt Revitalisierung Milser Au”
“Revitalisierung Milser Au – 2009, Projektphase 2″
“Entfernung der Altablagerung in der Milser Au”

Dieses Gemeinschaftsprojekt mit 20-jähriger Laufzeit wurde im Jahr 2007 durch Einbindung der Interessensgruppen Agrargemeinschaft Mils, Gemeinde Mils, Forstinspektion Imst, Land Tirol Abt. Wasserwirtschaft und Umwelt, Tiroler Wasserkraft, Wasser Tirol und WWf  mit folgenden Maßnahmen begonnen: Umgestaltung der mittleren und östlichen Revitalisierungsflächen. Aufforstungs- und Naturschutzmaßnahmen, weidewirtschaftliche Maßnahmen und Neophyten-management.

Am 8. August 2010 fand nun im Gemeindeamt Mils bei Imst eine Pressekonferenz statt, bei der ein Zwischenstand dieses Gemeinschaftsprojektes präsentiert wurde. Bürgermeister Dr. Markus Moser und Agrarobmann Hartmut Neurauter begrüßten dazu LHStv. Anton Steixner, Bezirkshauptmann Dr. Raimund Waldner sowie Ernst Fleischhacker von Wasser Tirol.

Die Hauptziele des Gemeinschaftsprojektes “Revitalisierung Milser Au” sind unter anderem die Erhaltung der Weichholzau als Ökosystem und die Verbesserung des Hochwasserschutzes in der Gemeinde Mils durch die Schaffung von drei Retentionsflächen. Weiters die Aufwertung des Ökosystems durch Feuchtbiotope, Totholz und Wiederansiedlungsprojekten und die Wiederbewaldung der Umgestaltungsflächen mit der speziellen Milser Grauerle.

Nach einem informativen Bericht von Projektkoordinator DI Andreas Pohl über den aktuellen Stand des Revitalisierungsprojektes erfolgte eine ausführliche Besichtigung der Retensionsflächen in der Milser Au.

LHStv. Anton Steixner lobte die beispielgebende Initiative der Agrargemeinschaft und der Gemeinde Mils und bedankte sich besonders bei DI Andreas Pohl für seine Koordinationsarbeit. Bürgermeister Dr. Markus Moser bemerkte in seinen Abschlussworten, dass die Erhaltung des Schutzgebietes Milser Au auch ein Anliegen der Bevölkerung sei, während Agrarobmann Hartmut Neurauter die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Agrargemeinschaft bei diesem Projekt besonders hervorhob.

Im Zuge der Besichtigungstour wurde auch der Larsennbach in Augenschein genommen, der bei starken Niederschlägen und dem daraus resultierenden Hochwasser immer wieder eine Bedrohung für die umliegenden Häuser darstellt. Die starken Niederschläge in den letzten Wochen führten zu einer derartig hohen Ablagerung von Geschiebematerial, sodass dieses mit Schaufelladern und LKWs abtransportiert werden musste, um eine Gefährdung der Anrainer zu vermeiden.

Nachfolgend Bilder von Pressekonferenz und Besichtigungstour:

Projekt Revitalisierung Milser Au

Donnerstag, 24. Juni 2010

Projekt Revitalisierung Milser Au –
Entfernung der Altablagerung ist voll im Gange

Der folgende Bericht wurde von Projektkoordinator DI Andreas Pohl von der Forstinspektion Imst verfasst und zur Verfügung gestellt.

Im Herbst 2008 sollte die zweite bzw. östliche Retentionsfläche am Inn ausgestaltet werden. Im Zuge von Vorbereitungsarbeiten wurde eine „Altablagerungsfläche“ innerhalb des Umgestaltungsbereiches freigelegt. Diese Ablagerungsfläche war von 1975 bis 1984 der Müllablageplatz der Gemeinde Mils (Im Jahr 1985 erfolgte dann die Einführung der Hausmüllabfuhr und so wurde die Müllablage in der Milser Au geschlossen und mit Erde überdeckt).
Um ausreichend Zeit für Grundlagenerhebungen und Festlegung der weiteren Vorgangsweise zu bekommen, war eine sofortige Verlagerung der Arbeiten auf die geplante Maßnahmenfläche des Folgejahres notwendig. Im Frühjahr 2009 wurde die mittlere Retentionsfläche auch fertig gestellt.
Die Berücksichtigung der Altablagerung führte zu einer Projektadaptierung bei der dritten bzw. östlichen Retentionsfläche. Auch die Finanzierung musste aufgrund der zu erwartenden Mehrkosten auf neue Beine gestellt werden. Eine Verzögerung der Arbeiten um ein Jahr war die Folge. Umso erfreulicher ist, dass nun mit der ordnungsgemäßen Entfernung der Altablagerung als Vorbereitungsarbeit für die Ausgestaltung der letzten Retentionsfläche begonnen werden konnte. Bereits seit einer Woche wird an der Trennung des Materials der Altablagerung für eine ordnungsgemäße Entsorgung gearbeitet. Während der Niederwasserperiode im kommenden Herbst/Winter sollte die letzte Abgrabungsfläche planmäßig fertig gestellt werden.

Für die Trennung des Materials der Altablagerung kommen drei getrennte Maschinen zum Einsatz, die hintereinander angeordnet sind.
Als erstes wird eine mobile Steinbrechanlage mit einem Löffelbagger beschickt. Das Material wird in der Folge zerkleinert und über ein Förderband, das mit einem Magnet ausgestattet ist um Eisenteile auszusortieren, zur Siebtrommel befördert. Im nächsten Schritt wird das feine bodenähnliche Material bis zu einer Größe von 15 mm ausgesiebt. Beim Auswurf des Materials, das ebenfalls über ein Förderband erfolgt, werden wiederum kleine Metallteile mittels Magnet aussortiert.
Von der Siebtrommel gelangt das Restmaterial über ein Förderband in dosierten Mengen zum Windsichter. Dort werden Plastikteile und leichtes Material weggeblasen und abgesaugt. Nach dem Windsichter fällt grobes Bauschuttmaterial an, welches eine möglichst geringe Verunreinigung aufweisen sollte. Größere Metallteile und Restmüllteile werden zusätzlich mittels Bagger oder händisch aussortiert, da schwerere Teile vom Windsichter nicht abgesaugt werden können.
Das gesamte Material der Altablagerung wird somit in Metallteile, Restmüll, bodenähnliches Material und Bauschuttmaterial getrennt. Die Metalle sowie der Restmüll werden in Container gesammelt und ordnungsgemäß entsorgt. Das bodenähnliche Material wird vor Ort zwei Monate zwischengelagert und auf Schadstoffe analysiert. Nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse kann erst über die weitere Verwendung des Materials entschieden werden. Die Materialuntersuchung wird seitens des Amtes der Tiroler Landesregierung – Referat Abfallwirtschaft – durchgeführt. Das Bauschuttmaterial kann in Abhängigkeit vom Verunreinigungsgrad einer Verwertung zugeführt werden oder ist ordnungsgemäß zu deponieren.
Durch den Einsatz dieser in der Praxis erprobten Geräte, der Erfahrung der beteiligten Firmen und der Mitarbeit der Behörden ist sichergestellt, dass diese Altablagerung in der Milser Au ordnungsgemäß und nach heutigem Standard entfernt wird.

Im Anschluss eine Fotodokumentation