Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’

Frühjahrskonzert der Musikkapelle Mils bei Imst, 2014

Donnerstag, 01. Mai 2014

Am Mittwoch, dem 30. April 2014 fand das jährliche Frühjahrskonzert der Musikkapelle Mils bei Imst statt. Zahlreiche Zuhörer hatten sich zum diesjährigen Jubiläumskonzert „60 Jahre Musikkapelle Mils“  im Gemeindesaal Mils eingefunden.
Frühjahrskonzert der Musikkapelle Mils bei Imst, 60 Jahre Jubiläumskonzert

Moderator Dr. Bernhard Pichler begrüßte die geladenen Ehrengäste, darunter Landeskapellmeister Mag. Hermann Pallhuber, Obmann des Bezirksverbandes der Blasmusikkapellen Daniel Neururer und Bezirkskapellmeister Martin Scheiring, Bürgermeister, Vizebürgermeister und Gemeinderäte sowie die Ehrenmitglieder Martin Thurner und Franz Handle. Auch die Kapellmeister der Nachbargemeinden waren zahlreich vertreten.

Bernhard Pichler führte durch das Programm, erinnerte an die Anfänge und Gründungsjahre der Musikkapelle und leitete den Konzertabend mit einer kleinen Zeitreise zurück ins Jahr 1954 ein.

Der erste Teil des Jubiläumskonzertes mit dem Thema „sechzig Jahre“ wurde mit „A Celebration Fanfare“, einem Concert Opener von Alfred Reed,  feierlich eröffnet. Der Höhepunkt im ersten Teil war für die Musikkapelle das Stück „Larsenn“ –  Wildes Wasser, ein Auftragswerk, komponiert von Landeskapellmeister Hermann Pallhuber, anlässlich des 60 Jahre Jubiläums. Begleitet von einer Diashow mit Bildern aus dem Larsenn wurde das Stück an diesem Tag uraufgeführt.

Drei Musikanten wurden für ihre langjährigen Verdienste ausgezeichnet. Hubert Schöpf, der sich erneut als Obmann der Musikkapelle zur Verfügung stellte, erhielt das Ehrenverdienstzeichen in Silber. Alfred Agerer und Edwin Praxmarer konnten die Ehrenmedaille in Gold für 50 Jahre und 40 Jahre Mitgliedschaft entgegen nehmen. Eine Konzertpolka mit dem passenden Titel „Ein halbes Jahrhundert“ von Very Rickenbacher unterstrich diese Auszeichnungen. Ebenso wurde ein großes „Danke schön“ an die Musikanten und Musikantinnen, Marketenderinnen, Kapellmeister, Funktionäre und die zahlreichen Helfer, die seit nunmehr 60 Jahren einen großen Beitrag in der Gemeinde leisten, ausgesprochen.

Nach der Pause setzte die Musikkapelle das Konzert mit Filmmusik fort. Das Musical „Tanz der Vampire“  von Jim Steinmann leitete den zweiten Konzertteil ein, gefolgt von „Titanium“ ein Werk von DJ David Guetta, das Kapellmeister Johannes Nagiller und seine Frau Monika eigens für die Musikkapelle arrangiert haben.  Mit den Werken  „Gladiator“ von Hans Zimmer und „Skyfall“ von Adele und Paul Epworth wurde die zweite Konzerthälfte fortgeführt.

Gegen Ende ergriff Bürgermeister Dr. Markus Moser das Wort, bedankte sich herzlich bei seinen Musikkameraden für das gelungene Konzert und das letzte Konzertstück wurde angekündigt:  „Chicago“  von John Kander. Mit der Zugabe „Klingendes Österreich“ beendete die Musikkapelle den unterhaltungsreichen Konzertabend.

Im Anhang Texte aus der Moderation von Bernhard Pichler
und das Programm des Jubiläumskonzertes am 30.04.2014.

Bilder wurde zur Verfügung gestellt von:
Gerhard Tilg, null0815.at und Thomas Thurner

 

Mils bei Imst: Alte Ansichten

Sonntag, 03. Februar 2013

Mils im Bild stellt interessante Aufnahmen von Mils aus früheren Jahren vor:
Mils bei Imst um 1950, Ansicht Richtung WestenDas obere Bild zeigt eine Ansicht von Mils aus dem Jahr 1950. Das Bild links unten zeigt den Bereich Kirche mit Widum um 1900. Anstelle des Gebäudes links von der Kirche steht heute das Cafe Frischmann. Das mittlere Bild entstand im Jahre 1937 am “Milser Gstoag” Richtung Imst, bei Fertigstellung der neuen Arlbergstraße. Das Bild rechts ist eine Aufnahme von Mils um 1950, Blick vom “Luam-Egg”. Bitte auf die kleinen Vorschaubilder klicken für eine Großansicht.


Bildquellen:
Heinrich Rokita, Imst: Mils um 1950
Hubert Heel, Imsterberg: Mils um 1900 und Arlbergstraße um 1937

Neues Bildstöckl am “St. Antoni”

Dienstag, 04. Oktober 2011

Eine Gruppe von Mitgliedern der Musikkapelle Mils bei Imst errichtete am Samstag, dem 24. September 2011 am “St. Antoni” (Milsberg) ein neues Bildstöckl mit dem Hl. Antonius.
Bildstöckl am St. Antoni am Milsberg

Dazu ein Bericht, verfasst von Dr. Bernhard Pichler:

Zurück zu den Wurzeln – oder: Wie der Hl. Antonius ein Comeback feierte

Wenn ich daran denke, wie alles angefangen hat, fällt mir Wilhelm Busch ein, der alte Meister stilvoller Lebensweisheiten: „Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt“.

Eigentlich sollte es nur ein kleiner Impulsfilm am Antoniusboden für das Frühjahrskonzert 2012 werden. Motto und Schwerpunkt des Konzertes wird das Reisen sein und der Heilige Antonius ist, neben etlichen anderen Patronaten, auch der Schutzheilige für die Reisenden. Die Kulisse im Wald mit dem passenden Namen bot sich als attraktiver Hintergrund für den Einstieg ins Frühjahrskonzert geradezu an. Was ich nicht wusste: Dem Hl. Antonius wurde dort bereits seit langer Zeit mit einer kleinen, geschnitzten Holzfigur, vielfach nur Eingeweihten bekannt, Reverenz erwiesen.

Wie aber kam der Antonius in den Wald ob Mils und dieses Areal zu seinem Namen? Bis 1968 war die Larsenn eine Alm hauptsächlich für Schönwieser Galtvieh und Kälber, betreut durch die Alpinteressentschaft Langesberg-Larsenn. Damals, beim beschwerlichen Almauftrieb, wurde das Vieh bis zum „Kuahbouda“ gebracht, ein Stück ebener Fläche mit Gras zum Weiden. An diesem Ort wurde genächtigt, bevor es am nächsten Tag weiterging in die Larsennalpe.
Einmal wurde des Morgens Vieh vermisst. Ein Stoßgebet zum St. Antonius von Padua, dem Schutzpatron für Verlorenes, half mit, das Vieh wieder zu finden. Als Dank wurde dort eine geschnitzte Holzfigur des Heiligen Antonius angebracht. Seither nennt man das Gebiet des „Kuahbouda“ auch Sankt Antoni.
Ich wollte die Figur in den Film einbauen und begann mit Recherchen, die mich über die Dorfchronistin Leni, weiter zum Zeitzeugen und Hirten a.D. Otto Westreicher bis zur Alpinteressentschaft Langesberg-Larsenn und schließlich zu Herbert Praxmarer führten. Dieser hatte den Antonius, welcher jahrzehntelang dem Wetter ausgesetzt war, restauriert und mit einem stilvollen Bildstöckl ein neues Zuhause gegeben. Jetzt war Gelegenheit, die Statue dem ursprünglichen Standort wieder zu zuführen.
Nennen wir es schicksalhafte Fügung, oder hatte von OBEN wer die Finger im Spiel: das Filmprojekt wurde in der Priorität zurückgereiht, dafür residiert jetzt ein Marterl über dem St. Antoni-Boden.Neu errichtetes Bildstöckl am St. Antoni

Die Art und Weise, wie also Mils zum Hl. Antonius gekommen ist, entspricht irgendwie dem Lebensweg dieses Mannes. Er ist nicht den geraden, leichten Weg gegangen. Geboren 1195 in Lissabon, trat er als Fünfzehnjähriger den Augustinerchorherren bei. Jahre später stand der junge Geistliche unter der trauernden Volksmenge, als fünf Franziskanermönche, die in Marokko ermordet worden waren, beigesetzt wurden. Tief beeindruckt von diesen Ereignissen, beschloss er, dem Franziskanerorden beizutreten, den Namen Antonius an zu nehmen und als Glaubensbote nach Afrika zu gehen. Kaum eingetroffen, erkrankte er so schwer, dass er monatelang ans Bett gefesselt war. Geschwächt und tief unglücklich musste er einsehen, dass es für ihn nur noch die Rückkehr nach Portugal gab. Auf der Seereise Richtung Heimat entschied sich das Schicksal des Franziskanermönchs endgültig, als ein schwerer Sturm das Schiff an die Küste Siziliens verschlug. Antonius begab sich von dort nach Assisi, wo Ordensgründer Franziskus gerade zum Generalkapitel, dem Leitungsgremium des noch jungen Franziskanerordens, geladen hatte. Nach und nach offenbarte sich dann die hohe theologische Bildung und außergewöhnliche Rednerbegabung des Mönchs aus Portugal. Italien hatte einen der begeisterndsten Prediger der gesamten Kirchengeschichte entdeckt und er selbst seinen Weg nun gefunden.
Es war die hochmittelalterliche Epoche, in die Antonius hineingeboren wurde, eine unruhige Zeit. Die Menschen suchten Richtlinien und Halt bei der Kirche. Sie fanden beides nicht. Die Kirche war durch und durch klerikal verknöchert und verbrauchte ihre Energie in politischen Streitigkeiten um Macht und Einfluss. In vielen Gläubigen wuchs die Überzeugung, die Kirche müsse eine andere, müsse erneuert werden. Und so brachen gerade in dieser Zeit – 12./13. Jahrhundert – quer durch Europa Erneuerungsbewegungen (zB. Katharer, Albigenser, Waldenser) auf, welche man in der heutigen Sprachregelung leicht als „Kirche von unten“ oder „Wir sind Kirche“ bezeichnen könnte.
Blut und Feuer – die Ketzerkriege – das war die schreckliche Antwort der Kirche und der weltlichen Fürsten und Könige. Sie wurden unter Lobgesängen auf Gott geführt. Für ihn glaubte man sie zu unternehmen. Dieser erbitterte Kampf gegen die „Abweichler“ vom Glauben der Kirche findet in einer Epoche großer sozialer Spannungen statt. Die Kluft zwischen Arm und Reich hatte sich vergrößert. Antonius und natürlich auch Franz von Assisi stellten sich damals ausdrücklich auf die Seite der Armen. Unglaublich aber wahr, noch heute gilt in Italien das Schuldnergesetz vom März 1231, das auf eine seiner Predigten zurückgeht: Dass ein Schuldner nur noch mit seinem Besitz, nicht mehr aber mit seiner Person und seiner Freiheit haftet. Das war nichts Geringeres als die Überwindung der inhumanen Leibeigenschaft.
Antonius lebte die franziskanische Armut überzeugend und konnte so mit seinem Lebensstil, der mit den Predigerworten übereinstimmte, viele überzeugen. Der Ordensgründer Franz von Assisi ernannte ihn schließlich zum ersten theologischen Lehrer seines Ordens, zum Lehrmeister der Franziskaner. Wegen seiner unvergleichlichen Beredsamkeit und seiner Volksnähe erlangte Antonius schon zu Lebzeiten einen außerordentlichen, weit über seinen Wirkungsraum hinaus reichenden Bekanntheitsgrad. In seinen Predigten kritisierte er die sozialen und politischen Verhältnisse, die machtverliebte kirchliche Hierarchie und machte sich so zum Fürsprecher der Armen, Außenseiter und Entrechteten. Am 13. Juni 1231 starb er in Padua, bereits ein Jahr später wurde er heiliggesprochen, nach dem raschesten Heiligsprechungsprozess in der Kirchengeschichte.  Bis heute fasziniert er als Volksheiliger, offenbar auch in Tirol. In Nord- und Osttirol sind nicht weniger als neun Kirchen und 52 Kapellen diesem Heiligen geweiht (auch Brunnen, wie der Antoniusbrunnen am Imster Stadtplatz beweist). Das bedeutendste Tiroler Baudenkmal des Heiligen steht zweifellos in Rietz (zit. Dr. Franz Caramelle, Kunst- u. Kulturhistoriker, bis 2008 Landeskonservator von Tirol) mit einem eindrucksvollen Deckenfresko, welches das berühmte Eselwunder von Rimini darstellt. Dort gibt es auch eine Besonderheit: Bei der Herz-Jesu-Prozession wird von der Schützenkompanie Rietz seit jeher die große Barockstatue des Hl. Antonius mitgetragen. In Admiralsuniform. Zurück zu führen ist dies auf sein Einwirken bei der Befreiung der spanischen Stadt Alicante von den algerischen Besatzern. Wer an erfrischender Originalität interessiert ist, besuche die Antoniuskirche in Ötzerau; dort erzählen die Deckenmalereien von den vielen Wundertaten des Heiligen Antonius von Padua.
Die geschnitzte Holzfigur des Antonius am ehemaligen „Kuahbouda“ ist – antik wäre zu viel gesagt – aber doch bejahrt. Die letzten lebenden Milser, welche bei den Schönwieser Larsennbauern Dienst taten und ihn immer schon am „Kuahbouda“, am Stamm einer stattlichen Kiefer hängen sahen, schätzen diese auf 80, 90 Jahre.
Man kann es nüchtern sachlich sehen, und die Statue für sich als sakrales Kleindenkmal definieren; oder mehr von der religiösen Seite und dabei den Heiligen – Aspekt in den Vordergrund stellen.
Selbstverständlich kann man den Sinn der Heiligenverehrung in Frage stellen. Aber man sollte wissen, dass in einer Zeit, in der Gesundung und Heilung nicht Kraft medizinischer Leistung erfolgten, sondern eher einem Wunder glichen, die Heiligen ein ständiger Begleiter von der Geburt bis zum Tode waren. Sie gaben den ersten Ansprechpartner bei Krankheiten, bei Sorgen und den verschiedensten Alltagsnöten und Unbillen des Lebens.

Antonius‘ Spezialpatronat ist jenes des Helfers beim Auffinden verlorener Dinge, liebevoll wird er deshalb auch „Schlampertoni“ genannt. Ihn aber auf den Leiter des himmlischen Fundbüros zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen. So ließ seine Beliebtheit seine Patronatsarbeit gewaltig anschwellen, er ist auch Fürsprecher der Armen (wer erinnert sich noch an das Antoniusbrot), außerdem Schutzpatron der Sozialarbeiter, der Liebenden und Eheleute, der Bäcker, Bergleute, Reisenden; er wird angerufen für eine glückliche Entbindung, aber auch gegen Unfruchtbarkeit, Fieber und Viehkrankheiten.

Welchen belebenden Sinn könnte man nun dieser Holzfigur des „Il Santo“, des Heiligen, wie er in Italien kurz und respektvoll genannt wird, zukommen lassen? Johann Wolfgang von Goethe hat für diesen Fall eine geistreiche Formulierung parat: „Ein Mensch braucht Wurzeln und Flügel.“ So ist es. Die Flügel dienen der Weiterentwicklung. Sie tragen über Visionen zu den Zielen. Und aus den Wurzeln wird Kraft geschöpft. Die Dorfgeschichte Mils‘ beispielsweise ist so eine Wurzel. Darum sollten wir sie kennen und der Spurensuche im eigenen Lebensraum Bedeutung einräumen. Viele kennen die historischen Schätze gar nicht mehr, wissen nicht, wo sie liegen oder welche Bedeutung sie einst hatten. Darum ist der, seiner ursprünglichen Heimat wiedergegebene Antonius, nicht nur irgendeine Heiligenfigur irgendwo im Wald. Sie gibt als Relikt Zeugnis der harten bäuerlichen Welt, der Lebensweise der Vorfahren, eines Existenzkampfes, der den Charakter unserer Region und der darin lebenden Menschen prägte. Über solche Dinge Bescheid zu wissen, kann durchaus inspirierend sein.

Helfer, Denker & Unterstützer bei diesem Projekt:

Agrargemeinschaft Mils, Gemeinde Mils, Bgm. Markus Moser, Vbgm. Thomas Thurner, Hartmut Neurauter, Herbert Praxmarer, Formbeton Praxmarer, Margit Praxmarer, Theo & Michael Hammerle, Othmar Praxmarer als Zeitzeuge,
Otto Westreicher als Zeitzeuge und ehem. Hirte, Hansjörg Praxmarer, KFZ Richard Rueland, Otto Westreicher jun., Joschy Huber, Peppi Haider, Seppl Mark, Bernhard Pichler und die “Sherpas” von der Musikkapelle Mils:
Heinrich Praxmarer, Daniel Thurner, Laura Pohl, Mathias Schöpf, Alexander Hammerle, Peter Thurner, Markus Moser, Edwin Praxmarer, Peter Praxmarer, Andreas Rueland, Michael Agerer und Bernhard Praxmarer.

Wer sich körperlich und/oder kontemplativ ertüchtigen möchte, dem sei eine Wanderung zum Antonius anempfohlen. Mit ein paar Farbtupfern & Wegzeigern werden wir demnächst die „Große“ und die „Kleine Antoniusrunde“ ausweisen.  (Beitrag von Dr. Bernhard Pichler)

Nachfolgend Fotos von der Errichtung des Bildstöckls am St. Antoni:

Fotos von Margit Praxmarer, Pepi Haider, Bernhard Pichler, Thomas Thurner, Peter Thurner

Die alte “Saurer Innbrücke”

Dienstag, 09. August 2011

Originalbilder der ehemaligen Saurer-Brücke und der Starkenbacher-Brücke, sowie schriftliche Hinweise aus Archiven, veranlassten zu einem geschichtlichen Rückblick.
Beiträge wurden verfasst von: Univ. Prof. Dr. Josef Thurner und OSR. Josef Fink.

Die Geschichte der „Saurer Brugge“, wie sie im Volksmund genannt wurde, reicht weit in die Vergangenheit zurück. Sie überspannte den Inn beim Schönwieser Sägewerk und stellte für lange Zeit die einzige Verbindung der Gemeinden Saurs-Schönwies, Mils und Imsterberg zur am linken Innufer verlaufenden Landesstraße dar und war daher von eminenter Bedeutung.
Alte Saurer Brücke in Schönwies um 1850, Gemälde von Caspar Jele, Pfarrkirche Schönwies
Der erste schriftliche Hinweis einer Brücke findet sich im „Zammer Weistum“ aus dem 15. Jahrhundert, das auch für die Untergemeinde Saurs Gültigkeit hatte. Darin heißt es wörtlich: „Item es sullent auch Saurer die gemain strass machen von Saurer prugken unz her auf in Sterkpach, und auch die prugk uber Sterkpach“.

Im „ATLAS  TYROLENSIS 1774“ von Peter Anich und Blasius Hueber querte neben der Saurer Brücke eine weitere Brücke nahe der Mündung des Starkenbach den Inn. Diese Starkenbacher Brücke hatte lokale Bedeutung, wie aus Streitakten (1596, 1829 – 1845) zu entnehmen ist:
Als die Starkenbacher 1834 eine Brücke neu errichteten, weigerten sich die Schönwieser, Obsaurer und Untersaurer diese zu bezahlen, da ihnen die Saurer Brücke vollkommen genüge.
Alte Saurer Innbrücke in Schönwies, Ausschnitt aus der Urmappe von 1856
Die Brücken über den Inn waren einer ständigen Gefahr durch Hochwasser ausgesetzt. Besonders erwähnt und ihren Niederschlag in einem neuen Archvertrag haben die Hochwasser vom Juli 1762 und Juni 1764 gefunden, die außerordentliche Schäden an Brücken, Archen und Grundstücken entlang des Inns verursachten.

Zwei Neubauten der Saurer Brücke werden in der Kölle-Chronik erwähnt: 1830 wurde die Brücke neu errichtet, wofür ein Betrag von 994 Gulden und 20½ Kreuzer an Material- und Arbeitskosten aufzubringen waren. In dieses Jahr fällt auch ein großer „Muhrbruch“ des Risselbaches, der 4 Personen das Leben kostete. Von November 1872 bis März 1873 wurde die letzte Saurer Brücke errichtet, nachdem ein Hochwasser die vorherige fast ganz zerstörte.

Alte Saurer Brücke in Schönwies
Auch die Gemeinde Mils wurde zum Erhalt der Saurer Brücke angehalten. Dies geht aus einem Vertrag aus dem Jahr 1862 hervor. Er besagt, dass Mils für den Neubau 12 Lärchenstämme bereit stellen muss und „weltewig“ für die Benutzung der Brücke einen Obulus von 16 Fierer pro Jahr der Schönwieser Gemeindekasse zu überweisen habe. Eine Bestätigung hierfür stammt aus dem Jahr 1870. Außerdem erhielt die Gemeinde Schönwies 1871 von der übergeordneten staatlichen Behörde die Genehmigung eine Brückenmaut einzuheben.
Für ein Klafter Holz war ein Betrag von 10 bzw. 20 Kreuzer fällig. Fuhren mit zwei Pferden durften maximal 20 Zentner Ladung haben.

Im Jahr 1911 musste die Gemeinde Mils erneut 12 Lärchenstämme für die Restaurierung der Saurer Brücke liefern. 1923 beantragte die Gemeinde Schönwies die Saurer Brücke zu einem selbständigen Konkurrenzobjekt zu erklären. Dieses Ansinnen wurde abgelehnt, da dies für die Gemeinde Mils auch Beiträge zur Brückenerhaltung bedeutet hätten.

Brücke bei Starkenbach um 1935Eine Besonderheit im Oberland waren die sogenannten „Winterbrücken“, Stege, die bei Niedrigwasser des Inn angelegt wurden und immer Wegabkürzungen bedeuteten. Im Frühjahr wurden diese dann wieder abgetragen. Eine solche Brücke über den Inn, der „Lasalter Steg“, wurde letztmalig 1889 errichtet.

Das Ende der beiden Holzbrücken kam mit dem Bau der heutigen Bundesstraße (1935 – 1937), die zur damaligen Zeit eine Meisterleistung darstellte. Neben zwei schwierigen Straßenabschnitten in steilem Felsgelände beim „Milser Gstoag“ sowie bei den „Tearlen“ wurden drei Betonbrücken errichtet: Die Innbrücke bei Mils, die Innbrücke bei Starkenbach und die Bogenbrücke über den Starkenbach.

Somit hatten die beiden Brücken ihre Bedeutung verloren: Über die Saurer Brücke wurden im Gemeindetag vom 11. April 1937 beraten. Hierzu heißt es im Protokoll: „Da bezüglich Abbruch der Saurer Innbrücke keine einheitliche Auffassung zu erzielen war, wurde dieser Punkt vorläufig vertagt.“

Aus Erzählungen ist bekannt, dass die Brücke versteigert wurde. Die Schönwieser, die den Zuschlag erhielten, gaben die Brücke an einen Zammer Geschäftsmann weiter, der sie vom Klosterverwalter, der über einen Raupenschlepper verfügte, abreißen ließ.

Bericht eines Augenzeugen:
Der Abbruch der Saurer Innbrücke erfolgte im Jahr 1937. Der Wirtschaftshof des Zammer Klosters besaß einen starken, Diesel-betriebenen Raupenschlepper. Dieser wurde ausgeliehen und einen Steinwurf von der Brücke entfernt flussaufwärts postiert. Um die Saurer Brücke wurde ein Stahlseil geschlungen und am Raupenschlepper festgemacht. Sein Motor brüllte auf und spannte das Stahlseil mit voller Kraft. Dabei wühlten sich die Raupen tief in die Schotterbank ein. Die Saurer Brücke stemmte sich vergebens gegen die rohe Kraft des Raupenschleppers. Allmählich neigte sich die Brücke ächzend zur Seite, geriet schließlich in bedenkliche Schieflage und stürzte krachend zu Boden bzw. in den Fluss. Die eine Hälfte lag auf der Schotterbank, die andere Hälfte trieb flussabwärts und strandete schließlich an großen Steinen an der Mündung des Larsennbaches. Einheimische Holzfischer warteten schon. Aus der Saurer Holzbrücke wurde Brennholz.

Die Starkenbacher Brücke „überlebte“ die Saurer Brücke nur um wenige Jahre. Die in den Jahren 1923/1924 erbaute Starkenbacher Brücke konnte einem Hochwasser im Sommer 1940 nicht mehr standhalten und trieb in zwei Teilen den Inn abwärts. Der kleinere Teil wurde in der Nähe von Lasalt und der Rest in Roppen an Land geschwemmt.
In Bau befindliche Innbrücke bei Mils bei Imst um 1936
Somit hatten zwei landschaftsprägende und von Zimmermannskunst zeugende Bauwerke ein jähes Ende gefunden. Es gibt Überlegungen die Saurer Brücke als Fußgängerbrücke neu zu errichten.
Fertiggestellter Straßenabschnitt mit Innbrücke im Bereich Schönwies-Starkenbach um 1937

Brücken waren im Laufe der Geschichte stets neuralgische Punkte, an denen auch Geschichte geschrieben wurde. Zumeist waren es kriegerische Handlungen, die sich dort abspielten: Geschichtlich bekannt sind der Einfall der Appenzeller um 1406, der Durchzug bayrischer Soldaten um 1703 und der Rückzug der bei der Pontlatzer Brücke geschlagenen bayrischen und französischen Soldaten am 9. August 1809.
Gedenktafel zur Erinnerung an die Saurer Frauen

Außerdem rückte die Saurer-Brücke in das Blickfeld, als die Saurer Frauen auf die fliehenden französisch-bayrischen Truppen etliche Steinlawinen niedergehen ließen.

Erwähnt sei hier auch ein Ereignis, welches sich 1881 nahe der Saurer Brücke abspielte und die beiden Nachbargemeinden Mils und Schönwies berührte. Pfarrer Johann Kölle berichtete darüber: „Am 12. August 1881 vormittags wurde etwas unterhalb der Saurer Brücke gegen Grieshaus, der bei seiner Rundreise durch Bayern aus Landeck kommende Kaiser Franz Josef I. von der Gemeinde Schönwies, der sich auch die Gemeinde Mils anschloss und von der Geistlichkeit beider Gemeinden vor einem errichteten Bogen feierlich begrüßt. Die Schulmädchen waren weiß gekleidet mit Kränzen auf dem Haupte. Seine Majestät stieg aus dem Wagen, und nachdem er zuerst von Schulmädchen mit ganz kurzen Verslein und mit der Übergabe eines Straußes von einem Mädchen begrüßt worden war, verkehrte er eine kurze Zeit mit dem Herrn Kuraten, Abraham Linser und der Gemeindevertretung und fuhr dann nach Imst weiter.“

Im Anhang ein ausführliches Dokument über die Geschichte der Saurer und Starkenbacher Innbrücke zum Herunterladen und Nachlesen.

Pilotenschlagen – damals und heute

Mittwoch, 20. April 2011

Im Frühjahr 2011 wurde die dritte Phase der “Revitalisierung Milser Au” in Angriff genommen. Diese Arbeiten auf einer Fläche von 1,7 ha haben zusätzlich die Schaffung von besonderen Erholungseinrichtungen zum Ziel. Bei der Bearbeitung dieser Revitalisierungsfläche war es unter Anderem erforderlich, mittels „Piloten“ die Hanglage am Wasser zu sichern. Diese Piloten wurden mit Hilfe eines Raupenbaggers mit Schlaghammer in das Erdreich geschlagen. Mit diesen Maschinen können derartige Arbeiten heute von nur einem Mann bewältigt werden. Vor ca. 60 Jahren hatte man in Mils ebenfalls Piloten geschlagen, um das Ufer des Hochwasser führenden Larsennbaches zu sichern. Damals waren für das Einschlagen eines Piloten bis zu acht Leute notwendig (siehe Beitrag: „Aus der Geschichte von Mils b. Imst: Gewässer“).

Nachfolgende Bilder zeigen den Fortschritt der Arbeiten in der Milser Au
und einen Vergleich des Pilotenschlagens von damals und heute.