Alte Glocke aus Südtirol läutet in Mils

Jeden Sonntag, aber speziell auch an Feiertagen oder am bevorstehenden Kirchtag, ertönt in Mils vertrautes Glockengeläut. Es ruft die Gläubigen zum Gottesdienst in ihrer Pfarrkirche zum Hl. Sebastian. Dass darunter eine ist, die sich einst im Kirchturm von Tisens (Südtirol) befand, wäre dabei beinahe in Vergessenheit geraten. Wie diese Glocke nach Mils kam, wurde nun geklärt.

Während des ersten Weltkrieges waren einige Glocken in Tisens abgenommen und später ersetzt worden. Auch der zweite Weltkrieg forderte die Abnahme der Glocken. Nur die 1925 in der Gießerei Colbacchini in Trient gegossene Glocke verblieb bis 1959 im Kirchturm von Tisens. Georg Schwabl, Mesner der Pfarre Tisens, erhielt beim Gespräch mit einem Glockenliebhaber einen Hinweis auf den Verbleib der ehemaligen alten Tisner „Elferin“ und informierte Florian Mair Redakteur der Gemeindezeitung, der sich der Sache annahm. Bei seinen Recherchen stieß Mair im Internet auf Dokumentationen von Michael Venier, der ein besonderes Hobby pflegt. Er filmt Glocken in verschiedenen Kirchtürmen und hält das Geläute auf Tonband fest. Seine Aufnahmen veröffentlicht Michael Venier auf YouTube, wo sie für jeden zugänglich sind. Ein Glockenverzeichnis, herausgegeben von Jörg Wernisch, gibt außerdem Aufschluss darüber, woher Glocken stammen und welche Stimmung sie haben. Dort ist auch dokumentiert, dass die Tisner Glocke sich heute im Milser Kirchturm befindet.

Die heute in Mils heimische Glocke mit einem Durchmesser von 83 Zentimetern ist 535 Kilogramm schwer und auf den Schlagton as1 gestimmt. Sie wurde 1925 von der Firma L. Colbacchini in Trient gegossen und hing 34 Jahre im Tisner Kirchturm.

Nach dem zweiten Weltkrieg verhandelten Veteranen und Kriegsteilnehmer von Mils mit der Glockengießerei Graßmayr über eine große Glocke. Aus Kostengründen konnte keine neue angeschafft werden und stattdessen erhielten die Milser eine alte, bei der Firma lagernde, Glocke. (es war die besagte „Tisner Glocke“) Sie wurde am 14. August 1960 in Mils von Abt Eugen Fiederer dem Hl. Florian und Hl. Sebastian geweiht und läutet seitdem regelmäßig zu verschiedenen Anlässen.

Die Inschrift auf der Glocke: „Von Feuer, Hagel, Wassernot, von Krankheit, unglückseligem Tod bewahre uns o Herre!“ Dazu eingemeißelt: „Den gefallenen Kameraden geweiht, die starben zu früh in friedloser Zeit; soll warnen die Welt vor Haß und Streit. Veteranen und Krieger von Mils 1960.“

Links:
Im Anhang ein Artikel über die Glocke aus der Zeitung „Dolomiten“ in Südtirol.
Das Geläute der Milser Glocke, aufgenommen von Michael Venier.
Früherer Beitrag über die Glocken der Pfarrkirche Mils bei Imst.