Milser Au – Hinweise

Wie bereits angekündigt, wurde ab 1. Mai 2020 der Mittelweg in der Milser Au gesperrt. Diese Maßnahme wurde wie schon im Vorjahr getroffen, um Nutzungskonflikte zwischen Bauern, Spaziergängern und Hundehaltern während der Weidezeit zu vermeiden.

Eine Willkommenstafel, angebracht vom Substanzverwalter Bernhard Schöpf, weist daraufhin, dass den Besuchern der Weg am Inn entlang zur Verfügung steht. Zudem ist dieser Weg zweifelsohne auch interessant. Kann man beim Durchwandern dieses Weges mit Glück Spuren von Eisvogel, Wiedehopf, Biber- und Fischotter sowie andere Besonderheiten entdecken.

Ideal für Familien mit Kindern sind die Sandplätze bei den Revitalisierungflächen am Inn. Es entstehen dabei so manche fantasievolle und kreative „Kunstwerke“, wie man den nachfolgenden Bildern entnehmen kann.

„Stuanblumen“ beim Larsennbach

Früher war es Brauch in der Maienzeit ins „Brügeltal“ zu gehen, um die ersten herrlich duftenden „Stuanblumen“, wie sie im Volksmund genannt werden, zu holen.

Die „Stuanblume“ wird auch als „Platenigl“ bezeichnet, zählt zur Gattung der Primeln und gehört zu den geschützen alpinen Pflanzenarten. Die lateinische Bezeichnung ist „Primula auricula“.

Nun man staune: Diese „Stuanblumen“ wurden nun an der Ufermauer oberhalb der Brücke des Larsennbaches entdeckt. Die Natur sorgt immer wieder für Überraschungen!

Frühling 2020

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht. Sie säuseln und wehen Tag und Nacht.
Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun armes Herz, sei nicht bang! Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag. Man weiß nicht, was noch werden mag.
Das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun armes Herz, vergiß die Qual! Nun muß sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland (1787 – 1862)

Musikalischer Ostergruß

„Gott zum Lobe, Menschen zur Freude!“

Im nachfolgenden Video übersende ich euch einen musikalischen Ostergruß mit Bildern aus der Pfarrkirche Mils.

Musik:
„Alleluja“ von W. A. Mozart, gespielt und gesungen von Sr. Charlotte zu Ostern 2002 in der Pfarrkirche Mils.
Mit ihrem Orgelspiel und ihrer herrlichen Stimme verschönerte sie so manche Gottesdienste in Mils.

Sr. Charlotte, Barmherzige Schwester im Kloster Zams, war stets im Dienst der Jugend und der Musik,  † 28.09.2019

 

Rückblick – Familienbittgang zur Feldkapelle

Familien-Bittgang zur Milser Feldkapelle in der Karwoche – das in Vergessenheit geratene Brauchtum, ein geschichtlicher Rückblick von Josef Thurner, Univ. Prof.

Die ehemals vor mehr als zweitausend Jahren in der Römerzeit von Italien nach Augsburg gebaute Militär- und Handelsstraße – bekannt als Via Claudia Augusta, verlief ein Stück weit durch das Oberinntal, nahm somit ihren Weg auch über Mils und ist heute noch streckenweise im Gelände sichtbar.
In unseren Tagen nahm der europäische Radwanderweg diese Spur wieder auf und führt jetzt mitten durch die Milser Felder. Es ist eine idyllische Wegstrecke und lädt zu kurzem oder längerem Verweilen ein. Dies geschieht zwangsläufig bei einer schmucken, vor langer Zeit mitten in die blühenden Wiesen hineinge- stellten, Kapelle. Sie wird von zwei Laubbäumen beschattet und weist darunter auch Ruhebänke auf. Gar mancher Radfahrer oder Wanderer sieht sich diese Kapelle an, betrachtet wohl auch die Innenausstattung. In ihrer Mitte sitzt unser Heiland, beinahe in Lebensgröße, als mit Dornen gekrönter Schmerzensmann. Drastisch gestaltete Bilder, die zum Himmel und zur Hölle weisen, sowie hölzerne Spruchbänder ergänzen das allfällige menschliche Schicksal als Ergänzung zur Passion. All dies, vor allem der zum Spott preisgegebene Heiland, erschüttert zwangsläufig die Betrachter und wohl manch Wanderer oder Radfahrer wird betroffen von dem Geschehen weiterziehen und seinen Gedanken nachhängen.

Was wissen wir zur Geschichte dieser Milser Feldkapelle?
Sehr wenig, deutlich gesagt, nichts! Die Zeit der Errichtung dieser Kapelle ist unbekannt. Auch die Beweg- gründe, die zu ihrer Erbauung geführt haben, weiß man nicht. Sie sind in keinem Archiv vermerkt.
In der Pfarrchronik von Mils steht lediglich die Notiz, dass die Feldkapelle im Jahr 1869 um 13 Gulden und 18 Kreuzer wegen Baufälligkeit renoviert werden musste. Hinsichtlich der Errichtung der Kapelle gibt es nur Legenden, wie sie auch bei anderen Wallfahrtsorten bekannt sind. So soll ein Glaubensbote aus Bayern hier gerastet und gebetet haben. Eine andere Legende besagt, dass der Hochwasser führende Inn die Milser Felder überschwemmt habe (solche Überschwemmungen sind urkundlich belegt) und die mitgeführte Christusfigur wäre an dieser Stelle liegengeblieben. Fromme Ortsbewohner der Gemeinde begannen daraufhin mit dem Bau einer Kapelle. Dies soll sich vor urdenklichen Zeiten zugetragen haben. Die Kapelle war immer schon da, so die allgemeine Meinung der Dorfbewohner und seit altersher Ziel von Wallfahrten und Bittgängen.

Einer dieser Bittgänge sei besonders hervorgehoben, weswegen die vorweggenommene längere Einleitung gerechtfertigt erscheint:

Seit Menschengedenken fand zu dieser Feldkapelle jeweils in der Karwoche ein Bittgang statt. Seine religiöse Begründung ist weder in der Pfarrchronik noch in der Gemeindechronik oder sonst irgendwo nachzulesen.
Der Bittgang fand immer in den Abendstunden des Gründonnerstages statt. An diesem Abend pilgerten alle Einwohner der Gemeinde Mils, Männer, Frauen und Kinder zur Feldkapelle. Erwähnenswert ist, dass dieser Bittgang nur „familienweise“ vor sich ging und ohne offizielle geistliche Beteiligung stattfand. Es war keine Wallfahrtsprozession im herkömmlichen Sinn, sondern eine reine Angelegenheit der einzelnen Familien. Die strenge familienbezogene Gliederung dieses Bittganges ist augenfällig. Auf dem Weg zur Kapelle wurde der Rosenkranz gebetet und bei der Kapelle eine stille Einkehr gehalten. Auf dem Rückweg war das Rosen- kranzgebet ebenfalls Pflicht. Eine stichhaltige Begründung dieses Bittganges am Gründonnerstag ist nicht bekannt. Er diente möglicherweise zur „Einstimmung“ auf den Karfreitag und das Osterfest.
Der religiöse Aufbruch des II. Vatikanischen Konzils brachte mit sich, dass die Gottesdienste in der Karwoche von den Morgen- in die Abendstunden verlegt wurden. Das „familienweise ins Kappele gehen“ am Abend des Gründonnerstages wurde daher nicht mehr aufrechterhalten. Ein tief verwurzeltes Brauchtum ist durch diese Umstände verloren gegangen.