Die alte „Saurer Innbrücke“

Originalbilder der ehemaligen Saurer-Brücke und der Starkenbacher-Brücke, sowie schriftliche Hinweise aus Archiven, veranlassten zu einem geschichtlichen Rückblick.
Beiträge wurden verfasst von: Univ. Prof. Dr. Josef Thurner und OSR. Josef Fink.

Die Geschichte der „Saurer Brugge“, wie sie im Volksmund genannt wurde, reicht weit in die Vergangenheit zurück. Sie überspannte den Inn beim Schönwieser Sägewerk und stellte für lange Zeit die einzige Verbindung der Gemeinden Saurs-Schönwies, Mils und Imsterberg zur am linken Innufer verlaufenden Landesstraße dar und war daher von eminenter Bedeutung.
Alte Saurer Brücke in Schönwies um 1850, Gemälde von Caspar Jele, Pfarrkirche Schönwies
Der erste schriftliche Hinweis einer Brücke findet sich im „Zammer Weistum“ aus dem 15. Jahrhundert, das auch für die Untergemeinde Saurs Gültigkeit hatte. Darin heißt es wörtlich: „Item es sullent auch Saurer die gemain strass machen von Saurer prugken unz her auf in Sterkpach, und auch die prugk uber Sterkpach“.

Im „ATLAS  TYROLENSIS 1774“ von Peter Anich und Blasius Hueber querte neben der Saurer Brücke eine weitere Brücke nahe der Mündung des Starkenbach den Inn. Diese Starkenbacher Brücke hatte lokale Bedeutung, wie aus Streitakten (1596, 1829 – 1845) zu entnehmen ist:
Als die Starkenbacher 1834 eine Brücke neu errichteten, weigerten sich die Schönwieser, Obsaurer und Untersaurer diese zu bezahlen, da ihnen die Saurer Brücke vollkommen genüge.
Alte Saurer Innbrücke in Schönwies, Ausschnitt aus der Urmappe von 1856
Die Brücken über den Inn waren einer ständigen Gefahr durch Hochwasser ausgesetzt. Besonders erwähnt und ihren Niederschlag in einem neuen Archvertrag haben die Hochwasser vom Juli 1762 und Juni 1764 gefunden, die außerordentliche Schäden an Brücken, Archen und Grundstücken entlang des Inns verursachten.

Zwei Neubauten der Saurer Brücke werden in der Kölle-Chronik erwähnt: 1830 wurde die Brücke neu errichtet, wofür ein Betrag von 994 Gulden und 20½ Kreuzer an Material- und Arbeitskosten aufzubringen waren. In dieses Jahr fällt auch ein großer „Muhrbruch“ des Risselbaches, der 4 Personen das Leben kostete. Von November 1872 bis März 1873 wurde die letzte Saurer Brücke errichtet, nachdem ein Hochwasser die vorherige fast ganz zerstörte.

Alte Saurer Brücke in Schönwies
Auch die Gemeinde Mils wurde zum Erhalt der Saurer Brücke angehalten. Dies geht aus einem Vertrag aus dem Jahr 1862 hervor. Er besagt, dass Mils für den Neubau 12 Lärchenstämme bereit stellen muss und „weltewig“ für die Benutzung der Brücke einen Obulus von 16 Fierer pro Jahr der Schönwieser Gemeindekasse zu überweisen habe. Eine Bestätigung hierfür stammt aus dem Jahr 1870. Außerdem erhielt die Gemeinde Schönwies 1871 von der übergeordneten staatlichen Behörde die Genehmigung eine Brückenmaut einzuheben.
Für ein Klafter Holz war ein Betrag von 10 bzw. 20 Kreuzer fällig. Fuhren mit zwei Pferden durften maximal 20 Zentner Ladung haben.

Im Jahr 1911 musste die Gemeinde Mils erneut 12 Lärchenstämme für die Restaurierung der Saurer Brücke liefern. 1923 beantragte die Gemeinde Schönwies die Saurer Brücke zu einem selbständigen Konkurrenzobjekt zu erklären. Dieses Ansinnen wurde abgelehnt, da dies für die Gemeinde Mils auch Beiträge zur Brückenerhaltung bedeutet hätten.

Brücke bei Starkenbach um 1935Eine Besonderheit im Oberland waren die sogenannten „Winterbrücken“, Stege, die bei Niedrigwasser des Inn angelegt wurden und immer Wegabkürzungen bedeuteten. Im Frühjahr wurden diese dann wieder abgetragen. Eine solche Brücke über den Inn, der „Lasalter Steg“, wurde letztmalig 1889 errichtet.

Das Ende der beiden Holzbrücken kam mit dem Bau der heutigen Bundesstraße (1935 – 1937), die zur damaligen Zeit eine Meisterleistung darstellte. Neben zwei schwierigen Straßenabschnitten in steilem Felsgelände beim „Milser Gstoag“ sowie bei den „Tearlen“ wurden drei Betonbrücken errichtet: Die Innbrücke bei Mils, die Innbrücke bei Starkenbach und die Bogenbrücke über den Starkenbach.

Somit hatten die beiden Brücken ihre Bedeutung verloren: Über die Saurer Brücke wurden im Gemeindetag vom 11. April 1937 beraten. Hierzu heißt es im Protokoll: „Da bezüglich Abbruch der Saurer Innbrücke keine einheitliche Auffassung zu erzielen war, wurde dieser Punkt vorläufig vertagt.“

Aus Erzählungen ist bekannt, dass die Brücke versteigert wurde. Die Schönwieser, die den Zuschlag erhielten, gaben die Brücke an einen Zammer Geschäftsmann weiter, der sie vom Klosterverwalter, der über einen Raupenschlepper verfügte, abreißen ließ.

Bericht eines Augenzeugen:
Der Abbruch der Saurer Innbrücke erfolgte im Jahr 1937. Der Wirtschaftshof des Zammer Klosters besaß einen starken, Diesel-betriebenen Raupenschlepper. Dieser wurde ausgeliehen und einen Steinwurf von der Brücke entfernt flussaufwärts postiert. Um die Saurer Brücke wurde ein Stahlseil geschlungen und am Raupenschlepper festgemacht. Sein Motor brüllte auf und spannte das Stahlseil mit voller Kraft. Dabei wühlten sich die Raupen tief in die Schotterbank ein. Die Saurer Brücke stemmte sich vergebens gegen die rohe Kraft des Raupenschleppers. Allmählich neigte sich die Brücke ächzend zur Seite, geriet schließlich in bedenkliche Schieflage und stürzte krachend zu Boden bzw. in den Fluss. Die eine Hälfte lag auf der Schotterbank, die andere Hälfte trieb flussabwärts und strandete schließlich an großen Steinen an der Mündung des Larsennbaches. Einheimische Holzfischer warteten schon. Aus der Saurer Holzbrücke wurde Brennholz.

Die Starkenbacher Brücke „überlebte“ die Saurer Brücke nur um wenige Jahre. Die in den Jahren 1923/1924 erbaute Starkenbacher Brücke konnte einem Hochwasser im Sommer 1940 nicht mehr standhalten und trieb in zwei Teilen den Inn abwärts. Der kleinere Teil wurde in der Nähe von Lasalt und der Rest in Roppen an Land geschwemmt.
In Bau befindliche Innbrücke bei Mils bei Imst um 1936
Somit hatten zwei landschaftsprägende und von Zimmermannskunst zeugende Bauwerke ein jähes Ende gefunden. Es gibt Überlegungen die Saurer Brücke als Fußgängerbrücke neu zu errichten.
Fertiggestellter Straßenabschnitt mit Innbrücke im Bereich Schönwies-Starkenbach um 1937

Brücken waren im Laufe der Geschichte stets neuralgische Punkte, an denen auch Geschichte geschrieben wurde. Zumeist waren es kriegerische Handlungen, die sich dort abspielten: Geschichtlich bekannt sind der Einfall der Appenzeller um 1406, der Durchzug bayrischer Soldaten um 1703 und der Rückzug der bei der Pontlatzer Brücke geschlagenen bayrischen und französischen Soldaten am 9. August 1809.
Gedenktafel zur Erinnerung an die Saurer Frauen

Außerdem rückte die Saurer-Brücke in das Blickfeld, als die Saurer Frauen auf die fliehenden französisch-bayrischen Truppen etliche Steinlawinen niedergehen ließen.

Erwähnt sei hier auch ein Ereignis, welches sich 1881 nahe der Saurer Brücke abspielte und die beiden Nachbargemeinden Mils und Schönwies berührte. Pfarrer Johann Kölle berichtete darüber: „Am 12. August 1881 vormittags wurde etwas unterhalb der Saurer Brücke gegen Grieshaus, der bei seiner Rundreise durch Bayern aus Landeck kommende Kaiser Franz Josef I. von der Gemeinde Schönwies, der sich auch die Gemeinde Mils anschloss und von der Geistlichkeit beider Gemeinden vor einem errichteten Bogen feierlich begrüßt. Die Schulmädchen waren weiß gekleidet mit Kränzen auf dem Haupte. Seine Majestät stieg aus dem Wagen, und nachdem er zuerst von Schulmädchen mit ganz kurzen Verslein und mit der Übergabe eines Straußes von einem Mädchen begrüßt worden war, verkehrte er eine kurze Zeit mit dem Herrn Kuraten, Abraham Linser und der Gemeindevertretung und fuhr dann nach Imst weiter.“

Im Anhang ein ausführliches Dokument über die Geschichte der Saurer und Starkenbacher Innbrücke zum Herunterladen und Nachlesen.

Pilotenschlagen – damals und heute

Im Frühjahr 2011 wurde die dritte Phase der „Revitalisierung Milser Au“ in Angriff genommen. Diese Arbeiten auf einer Fläche von 1,7 ha haben zusätzlich die Schaffung von besonderen Erholungseinrichtungen zum Ziel. Bei der Bearbeitung dieser Revitalisierungsfläche war es unter Anderem erforderlich, mittels „Piloten“ die Hanglage am Wasser zu sichern. Diese Piloten wurden mit Hilfe eines Raupenbaggers mit Schlaghammer in das Erdreich geschlagen. Mit diesen Maschinen können derartige Arbeiten heute von nur einem Mann bewältigt werden. Vor ca. 60 Jahren hatte man in Mils ebenfalls Piloten geschlagen, um das Ufer des Hochwasser führenden Larsennbaches zu sichern. Damals waren für das Einschlagen eines Piloten bis zu acht Leute notwendig (siehe Beitrag: „Aus der Geschichte von Mils b. Imst: Gewässer“).

Nachfolgende Bilder zeigen den Fortschritt der Arbeiten in der Milser Au
und einen Vergleich des Pilotenschlagens von damals und heute.

Ausstellung „Mils seinerzeit“

Am 17. und 18. Oktober 2009 fand im Gemeindesaal  Mils bei Imst die Ausstellung „Mils seinerzeit“ statt.

In der technisch weit fortgeschrittenen Zeit von heute denkt man kaum noch an die beschwerlichen Arbeitsbedingungen von früher, womit die durchwegs bäuerliche Bevölkerung von Mils bei Imst ihren Lebensunterhalt bestritt.

Alte  Fotografien dieser bäuerlichen Arbeitsweise und viele in Mils noch vorhandene Arbeitsgeräte aus früherer Zeit veranlassten mich als Dorfchronistin diese Ausstellung zu organisieren und einen Einblick in den teilweise sehr harten Arbeits-Alltag vor mehr als 50 Jahren zu geben.

Zusätzlich wurden als kleiner Beitrag zum Tiroler Jubiläumsjahr 2009  Böller aus dem Jahr 1909 gezeigt, die die Gemeinde damals anfertigen ließ und bis 1976 in Mils bei Kirchweihfesten verwendet wurden.

An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei den zahlreichen Besuchern und ganz besonders bei meinem Team für die Mitarbeit.

Leni Bullock
Dorfchronistin

Was erinnert in Mils bei Imst an die Zeit um 1809?

Im Gedenkjahr 2009 erinnert Tirol an die Ereignisse um 1809. 
Was erinnert in Mils noch an diese Zeit?

Zum Ende des 18. Jahrhunderts kündigte sich in Mils die Napoleonische Zeit an.
In den Archivunterlagen der Gemeinde ist vermerkt, dass Mils mit seinen 13 Häusern (nach Aufzeichnungen im Pfarrarchiv Mils) die bedürftigsten Einwohner hatte. Kein Wunder, denn zu den Hochwassergefahren kamen nun zusätzliche Sorgen wegen der damals oft durchziehenden Militäreinheiten.
Eine vor 200 Jahren gepflanzte „Napoleon Pappel“ am Ortsende von Mils, bei der Brücke am Larsennbach, erinnert noch an diese unruhigen Zeiten im Tiroler Oberland. Wie die Überlieferung berichtet, diente diese Pappel den Franzosen als weithin sichtbare Wegmarke.

Zu den jeweiligen „runden Jubiläen“ (1859, 1909, 1934, 1959, 1984) wurden Landesgedenkfeiern zum historischen Geschehen um 1809 abgehalten.

An der hundertjährigen Gedenkfeier beteiligte sich auch die Gemeinde Mils und ließ spezielle „Böller“ mit der Aufschrift „19 MILS 09“ bei der Firma Grassmayr in Innsbruck anfertigen. Es ist anzunehmen, dass diese Böller beim damaligen Festumzug in Innsbruck von Vertretern der Gemeinde Mils mitgetragen wurden.
Die unten abgebildeten „Böller“ wurden bis 1963 in Mils bei Kirchweihfesten und Fronleichnamsprozessionen noch verwendet.

Zum Tiroler Gedenkjahr 1984 veranstaltete die Gemeinde Mils eine Kulturwoche. Höhepunkte waren die Verleihung des Gemeindewappens und die Jungbürgerfeier. Zudem gab es in diesem Jahr verschiedene kulturelle Aktivitäten, wie zB eine Ausstellung von alten bäuerlichen Arbeitsgeräten im Gemeindesaal und die Neugestaltung der Kirchenkrippe.

Chronik – Glocken der Pfarrkirche Mils bei Imst

Tag für Tag, Sonntag für Sonntag läuten zu den verschiedensten Anlässen die Kirchenglocken. Nur wenigen Milsern ist jedoch bekannt, wie groß und wie schwer unsere Glocken sind und welche Namen sie tragen. Da fast kein Fotomaterial von den Milser Kirchenglocken vorhanden ist, habe ich die Glocken im Kirchturm für die Dorfchronik fotografiert. 

Im 51,5 m hohen Milser Kirchtum (gesamte Turmhöhe mit Kugel und Kreuz beträgt 53 Meter) befinden sich vier Glocken.
In den beiden Weltkriegen wurden die Glocken beschlagnahmt und es mussten nach Kriegsende wieder neue angeschafft werden. Vom 27. März 1942 bis 1951 läutete daher nur eine kleine Glocke, das sogenannte „Totenglöcklein“ vom Milser Kirchturm. 1951 wurden von der Firma Graßmayr zwei passende alte Glocken dazugekauft. 1960 bestellten die Veteranen und Kriegsteilnehmer eine große Glocke und die kleine Glocke wurde gegen eine neue abgeliefert. Gleichzeitig wurde auch der Glockenstuhl erneuert.

Das bestehende Geläute:

Glocke I (große Glocke)  -  Florian, Sebastian

Inschrift auf der Glocke:
„Von Feuer, Hagel, Wassernot, von Krankheit, unglückseligem Tod,
bewahre uns o Herre!“ Dazu eingemeißelt: „Den gefallenen Kameraden geweiht, die starben zu früh in friedloser Zeit; soll warnen die Welt vor Haß und Streit. Veteranen und Krieger von Mils 1960.“

Glocke II  -  Fabian, Sebastian

Inschrift auf der Glocke:
„Vor Ungewitter, Blitzgefahr, der liebe Gott uns stets bewahr!“

Glocke III  -  Josef

Inschrift auf der Glocke:
„Arbeit mit Gebet verbinden, läßt uns Gottes Segen finden.“

Glocke IV  -  Johann und Paul, Michael

Inschrift auf der Glocke:
„St. Josef leg‘ am Lebensende, unsere Seel‘ in Gottes Hände.
„Arbeit mit Gebet verbinden, läßt uns Gottes Frieden finden.“


Interessante Glockensprüche

Da jede Glocke, bedingt durch die verschiedenen Größen, einen anderen Schwingrhythmus hat, bildeten sich im Milser Volksmund zum Glockengeläute bestimmte Verse, die den Rhythmus der jeweiligen Glocke beschrieben:

Die kleine Glocke sagt: „I han kua Geld, i han kua Geld, …“
Die zweite Glocke sagt: „Leih‘ dir uans, leih‘ dir uans, …“
Die dritte Glocke sagt: „Wo denn? – Wo denn? …“
Die größte Glocke sagt: „Beim Bürger und beim Bauern, … “


Das alte Uhrwerk

Auf dem Weg zum Glockenstuhl befinden sich noch Teile eines alten Uhrwerkes. Dieses stammt sicher noch aus der alten Kirche, da eine in der Chronik erwähnte Reparatur aus dem Jahre 1823 darauf hin deutet. Diese Uhr ist ein besonders interessantes Werk, welches die Handwerkskunst zur damaligen Zeit veranschaulicht. Eine mündliche Überlieferung berichtet, dass das alte Uhrwerk seit ca.1939 nicht mehr funktionierte. Es wird auch erzählt, dass der jeweilige Mesner damals täglich in den Turm steigen und die Uhr mit einer „Kurbel“ aufziehen musste.
Mils war mehrere Jahrzehnte ohne Kirchenuhr, denn erst 1984 wurde ein modernes, elektrisches Uhrwerk installiert.

Altes Uhrwerk der Milser Pfarrkirche Detail des alten Uhrwerkes Einblick ins Uhrwerk

Die Bilder zeigen das alte Uhrwerk, sowie andere noch gut erhaltene Bestandteile der alten Uhr im Kirchturm von Mils.

Gewichte Weitere Bestandteile der alten Uhr Rollen von der alten Uhr

Ich bedanke mich bei Michael Hammerle für die Unterstützung beim Fotografieren im Kirchturm.